Johannes 18 – 21

Kapitel 18

18 Nachdem Jesus diese Dinge gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus, über den Winterwildbach Kidron hinüber, an den Ort, wo ein Garten war, in den er und seine Jünger eintraten. 2 Nun kannte auch Judas, sein Verräter, den Ort, denn Jesus war dort oftmals mit seinen Jüngern zusammengekommen. 3 Daher holte Judas die Abteilung Soldaten und Beamte von den Oberpriestern und von den Pharisäern und kam mit Fackeln und Lampen und Waffen dorthin. 4 Jesus nun, der alles wußte, was über ihn kam, trat vor und sprach zu ihnen: „Wen sucht ihr?“ 5 Sie antworteten ihm: „Jesus, den Nazarener.“ Er sagte zu ihnen: „Ich bin es.“ Nun stand auch Judas, sein Verräter, bei ihnen.

6 Als er jedoch zu ihnen sagte: „Ich bin es“, wichen sie zurück und fielen zu Boden. 7 Daher fragte er sie wieder: „Wen sucht ihr?“ Sie sagten: „Jesus, den Nazarener.“ 8 Jesus antwortete: „Ich habe euch gesagt, daß ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, so laßt diese gehen“; 9 damit das Wort erfüllt werde, das er sprach: „Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen einzigen verloren.“

10 Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es und schlug den Sklaven des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Sklaven war Malchus. 11 Jesus aber sagte zu Petrus: „Stecke das Schwert in [seine] Scheide. Sollte ich den Becher, den der Vater mir gegeben hat, nicht unter allen Umständen trinken?“

12 Dann ergriffen die Abteilung Soldaten und der Militärbefehlshaber und die Beamten der Juden Jesus und banden ihn, 13 und sie führten ihn zuerst zu Annas; denn er war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. 14 Kaiphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei zu ihrem Nutzen, daß ein einziger Mensch zugunsten des Volkes sterbe.

15 Simon Petrus nun und noch ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und er ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters hinein, 16 Petrus aber stand draußen an der Tür. Daher ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus herein. 17 Da sagte das Dienstmädchen, die Türhüterin, zu Petrus: „Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen?“ Er sagte: „Ich bin [es] nicht.“ 18 Nun standen die Sklaven und die Beamten herum, da sie ein Kohlenfeuer gemacht hatten, weil es kalt war, und sie wärmten sich. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.

19 Der Oberpriester nun befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: „Ich habe öffentlich zur Welt geredet. Ich habe immer in einer Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen; und ich habe nichts im verborgenen geredet. 21 Warum fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen redete. Siehe! Diese wissen, was ich gesagt habe.“ 22 Nachdem er diese Dinge gesagt hatte, gab einer der Beamten, die dabeistanden, Jesus einen Backenstreich und sagte: „So antwortest du dem Oberpriester?“ 23 Jesus antwortete ihm: „Wenn ich unrecht geredet habe, so lege Zeugnis über das Unrecht ab, wenn aber recht, warum schlägst du mich?“ 24 Darauf sandte ihn Annas gebunden zu Kaiphas, dem Hohenpriester.

25 Simon Petrus nun stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: „Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?“ Er leugnete es und sprach: „Ich bin es nicht.“ 26 Einer von den Sklaven des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: „Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?“ 27 Petrus jedoch leugnete es wieder; und sogleich krähte ein Hahn.

28 Dann führten sie Jesus von Kaiphas zum Palast des Statthalters. Es war nun früh am Tag. Sie selbst gingen jedoch nicht in den Palast des Statthalters hinein, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern das Passah essen könnten. 29 Daher kam Pilatus zu ihnen heraus und sprach: „Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?“ 30 Als Antwort sagten sie zu ihm: „Wenn dieser nicht ein Missetäter wäre, so hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.“ 31 Deshalb sagte Pilatus zu ihnen: „Nehmt ihn selbst, und richtet ihn nach eurem Gesetz.“ Die Juden sprachen zu ihm: „Uns ist es nicht erlaubt, jemand zu töten.“ 32 So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welche Art des Todes er sterben sollte.

33 Da ging Pilatus wieder in den Palast des Statthalters hinein und rief Jesus und sprach zu ihm: „Bist du der König der Juden?“ 34 Jesus antwortete: „Sagst du das aus dir selbst, oder haben dir andere von mir erzählt?“ 35 Pilatus antwortete: „Ich bin doch nicht etwa ein Jude? Deine eigene Nation und die Oberpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“ 36 Jesus antwortete: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher.“ 37 Deshalb sagte Pilatus zu ihm: „Nun denn, bist du ein König?“ Jesus antwortete: „Du selbst sagst, daß ich ein König bin. Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ 38 Pilatus sagte zu ihm: „Was ist Wahrheit?“

Und nachdem er dies gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sprach zu ihnen: „Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Überdies besteht bei euch ein Brauch, wonach ich euch am Passah einen Menschen freigeben soll. Wünscht ihr also, daß ich euch den König der Juden freigebe?“ 40 Da schrien sie wieder und sagten: „Nicht diesen, sondern Barabbas!“ Barabbas aber war ein Räuber.

Kapitel 19

19 Zu dieser Zeit nun nahm Pilatus Jesus und geißelte ihn. 2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf den Kopf und hüllten ihn in ein purpurnes äußeres Kleid; 3 und sie begannen vor ihn hinzutreten und zu sagen: „Guten Tag, du König der Juden!“ Auch gaben sie ihm Backenstreiche. 4 Und Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: „Seht! Ich bringe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, daß ich keine Schuld an ihm finde.“ 5 Somit kam Jesus heraus, die Dornenkrone und das purpurne äußere Kleid tragend. Und er sprach zu ihnen: „Seht! Der Mensch!“ 6 Als ihn aber die Oberpriester und die Beamten sahen, schrien sie und sagten: „An den Pfahl [mit ihm]! An den Pfahl [mit ihm]!“ Pilatus sprach zu ihnen: „Nehmt ihn selbst, und bringt ihn an den Pfahl, denn ich finde keine Schuld an ihm.“ 7 Die Juden antworteten ihm: „Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.“

8 Als nun Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich um so mehr; 9 und er ging wieder in den Palast des Statthalters hinein und sprach zu Jesus: „Woher bist du?“ Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Pilatus sagte daher zu ihm: „Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Gewalt habe, dich freizulassen, und Gewalt habe, dich an den Pfahl zu bringen?“ 11 Jesus antwortete ihm: „Du hättest gar keine Gewalt über mich, wenn sie dir nicht von oben her gewährt worden wäre. Deshalb hat der, welcher mich dir ausgeliefert hat, größere Sünde.“

12 Aus diesem Grund suchte Pilatus weiterhin, wie er ihn freilassen könnte. Aber die Juden schrien und sagten: „Wenn du diesen [Mann] freiläßt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zu einem König macht, redet gegen Cäsar.“ 13 Nachdem nun Pilatus diese Worte gehört hatte, brachte er Jesus heraus, und er setzte sich auf einen Richterstuhl an dem Platz, der „Das Steinpflaster“ genannt wird, auf hebräisch aber Gabbatha. 14 Es war nun Vorbereitungstag des Passahs; es war etwa die sechste Stunde. Und er sagte zu den Juden: „Seht! Euer König!“ 15 Sie aber schrien: „Weg [mit ihm]! Weg [mit ihm]! An den Pfahl mit ihm!“ Pilatus sprach zu ihnen: „Soll ich euren König an den Pfahl bringen?“ Die Oberpriester antworteten: „Wir haben keinen König außer Cäsar.“ 16 Dann lieferte er ihn also ihnen aus, damit er an den Pfahl komme.

Da übernahmen sie Jesus. 17 Und selbst den Marterpfahl tragend, ging er hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf hebräisch Golgotha genannt wird; 18 und dort brachten sie ihn an den Pfahl und zwei andere [Männer] mit ihm, einen auf dieser Seite und einen auf jener, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus schrieb auch einen Titel und brachte ihn am Marterpfahl an. Es stand geschrieben: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“. 20 Daher lasen viele von den Juden diesen Titel, weil die Stätte, wo Jesus an den Pfahl gebracht wurde, nahe bei der Stadt war; und er war auf hebräisch, auf lateinisch [und] auf griechisch geschrieben. 21 Die Oberpriester der Juden aber sagten zu Pilatus: „Schreibe nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern daß er gesagt hat: ‚Ich bin König der Juden.‘ “ 22 Pilatus antwortete: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

23 Als nun die Soldaten Jesus an den Pfahl gebracht hatten, nahmen sie seine äußeren Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, und das innere Kleid. Das innere Kleid aber war ohne Naht, da es von oben an der ganzen Länge nach durchgewebt war. 24 Deshalb sagten sie zueinander: „Laßt es uns nicht zerreißen, sondern laßt uns durch das Los darüber bestimmen, wem es gehören soll.“ Dies geschah, damit das Schriftwort erfüllt werde: „Sie verteilten meine äußeren Kleider unter sich, und über mein Gewand warfen sie Lose.“ Und so taten die Soldaten diese Dinge wirklich.

25 Beim Marterpfahl Jesu standen jedoch seine Mutter und die Schwester seiner Mutter; Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalene. 26 Als nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dabeistehen sah, sagte er zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ 27 Darauf sprach er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie in sein eigenes Heim.

28 Nach diesem, als Jesus wußte, daß nunmehr alles vollbracht worden war, damit sich das Schriftwort erfülle, sprach er: „Mich dürstet.“ 29 Ein Gefäß voll saurem Wein stand da. Daher steckten sie einen mit saurem Wein gefüllten Schwamm an einen Ysop[stengel] und brachten ihn an seinen Mund. 30 Als nun Jesus den sauren Wein empfangen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“, und sein Haupt neigend, übergab er [seinen] Geist.

31 Dann baten die Juden Pilatus, weil es Vorbereitungstag war, damit die Leiber nicht am Sabbat an den Marterpfählen blieben (denn der Tag jenes Sabbats war ein großer), daß ihre Beine gebrochen und die [Leiber] abgenommen werden könnten. 32 Darum kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch die des anderen, der mit ihm an den Pfahl gebracht worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon tot war, brachen sie ihm die Beine nicht. 34 Einer der Soldaten jedoch stieß mit einem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 35 Und der, der [es] gesehen hat, hat Zeugnis abgelegt, und sein Zeugnis ist wahr, und dieser weiß, daß er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Ja, diese Dinge sind geschehen, damit das Schriftwort erfüllt werde: „Kein Knochen von ihm wird zermalmt werden.“ 37 Und noch ein anderes Schriftwort sagt: „Sie werden auf DEN schauen, den sie durchstochen haben.“

38 Nach diesen Dingen nun bat Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, doch aus Furcht vor den Juden nur im geheimen, den Pilatus, daß er den Leib Jesu wegnehmen dürfe; und Pilatus gab ihm Erlaubnis. Daher kam er und nahm seinen Leib weg. 39 Auch Nikodemus, der Mann, der das erste Mal bei Nacht zu ihm gekommen war, kam und brachte eine Rolle Myrrhe und Aloe, ungefähr hundert Pfund [davon]. 40 Da nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn mit Binden samt den Gewürzen, so wie es bei den Juden Sitte ist, ein Begräbnis vorzubereiten. 41 Nun befand sich an dem Ort, wo er an den Pfahl gebracht worden war, ein Garten und in dem Garten eine neue Gedächtnisgruft, in die noch nie jemand gelegt worden war. 42 Dorthin also legten sie Jesus wegen des Vorbereitungstages der Juden, weil die Gedächtnisgruft in der Nähe war.

Kapitel 20

20 Am ersten Tag der Woche kam Maria Magdalene in der Frühe, als es noch dunkel war, zur Gedächtnisgruft, und sie sah den Stein bereits von der Gedächtnisgruft weggenommen. 2 Daher lief sie und kam zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, zu dem Jesus Zuneigung hatte, und sie sagte zu ihnen: „Sie haben den Herrn aus der Gedächtnisgruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“

3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und machten sich auf den Weg zur Gedächtnisgruft. 4 Ja, die beiden begannen miteinander zu laufen; doch der andere Jünger lief mit größerer Eile dem Petrus voraus und erreichte die Gedächtnisgruft zuerst. 5 Und sich nach vorn bückend, sah er die Binden daliegen, doch ging er nicht hinein. 6 Dann kam auch Simon Petrus, der ihm folgte, und er ging in die Gedächtnisgruft hinein. Und er sah die Binden daliegen, 7 auch das Tuch, das auf seinem Kopf gewesen war, nicht bei den Binden liegend, sondern an einer Stelle für sich zusammengerollt. 8 Jetzt ging daher auch der andere Jünger, der die Gedächtnisgruft zuerst erreicht hatte, hinein, und er sah und glaubte. 9 Denn sie verstanden das Schriftwort noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müsse. 10 So kehrten dann die Jünger in ihre Häuser zurück.

11 Maria aber blieb draußen in der Nähe der Gedächtnisgruft stehen und weinte. Dann, während sie weinte, bückte sie sich nach vorn, um in die Gedächtnisgruft hineinzublicken, 12 und sie sah zwei Engel in Weiß dasitzen, einen beim Kopf und einen bei den Füßen [der Stelle], wo der Leib Jesu gelegen hatte. 13 Und sie sagten zu ihr: „Frau, warum weinst du?“ Sie sprach zu ihnen: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ 14 Nachdem sie diese Dinge gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war. 15 Jesus sprach zu ihr: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Da sie meinte, es sei der Gärtner, sagte sie zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir, wohin du ihn gelegt hast, und ich will ihn wegnehmen.“ 16 Jesus sagte zu ihr: „Maria!“ Sich umwendend, sagte sie auf hebräisch zu ihm: „Rabbuni!“ (was „Lehrer!“ bedeutet). 17 Jesus sprach zu ihr: „Hör auf, dich an mich zu klammern. Denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren. Geh jedoch zu meinen Brüdern hin, und sag ihnen: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.‘ “ 18 Maria Magdalene kam und brachte den Jüngern die Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen!“ und daß er diese Dinge zu ihr gesprochen habe.

19 Als es nun an jenem Tag, dem ersten der Woche, spät war und die Türen, wo sich die Jünger befanden, aus Furcht vor den Juden verschlossen worden waren, kam Jesus und trat in ihre Mitte und sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ 20 Und nachdem er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und auch seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte nun wieder zu ihnen: „Friede sei mit euch! So, wie mich der Vater ausgesandt hat, so sende auch ich euch.“ 22 Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfangt heiligen Geist. 23 Wenn ihr irgendwelchen Personen die Sünden vergebt, so sind sie ihnen vergeben; wenn ihr die von irgendwelchen Personen behaltet, so sind sie behalten.“

24 Thomas aber, einer von den Zwölfen, der „Der Zwilling“ genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Infolgedessen sagten die anderen Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Er aber sprach zu ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Spur der Nägel sehe und meinen Finger in die Spur der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, will ich es bestimmt nicht glauben.“

26 Nun, acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder drinnen und Thomas mit ihnen. Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: „Friede sei mit euch!“ 27 Darauf sagte er zu Thomas: „Reich deinen Finger her, und sieh meine Hände, und nimm deine Hand, und leg sie in meine Seite, und sei nicht länger ungläubig, sondern werde gläubig.“ 28 Als Antwort sagte Thomas zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ 29 Jesus sprach zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt? Glücklich sind die, die nicht sehen und doch glauben.“

30 Allerdings tat Jesus auch vor den Jüngern viele andere Zeichen, die nicht in dieser Buchrolle niedergeschrieben sind. 31 Diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, durch seinen Namen Leben habt.

Kapitel 21

21 Nach diesen Dingen machte sich Jesus selbst den Jüngern von neuem am Meer von Tiberias offenbar; er machte sich aber auf diese Weise offenbar: 2 Es waren beisammen: Simon Petrus und Thomas, der „Der Zwilling“ genannt wurde, und Nathanaël von Kana in Galilaa und die Söhne des Zebedaus und zwei andere seiner Jünger. 3 Simon Petrus sagte zu ihnen: „Ich gehe fischen.“ Sie sprachen zu ihm: „Wir kommen auch mit dir.“ Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, doch während jener Nacht fingen sie nichts.

4 Indes, als es gerade Morgen wurde, stand Jesus am Strand, doch erkannten die Jünger natürlich nicht, daß es Jesus war. 5 Da sprach Jesus zu ihnen: „Kindlein, habt ihr nichts zu essen?“ Sie antworteten ihm: „Nein!“ 6 Er sprach zu ihnen: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet [welche] finden.“ Da warfen sie es aus, konnten es aber wegen der Menge der Fische nicht mehr einziehen. 7 Daher sagte jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Als daher Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei, gürtete er sein Oberkleid um, denn er war nackt, und warf sich ins Meer. 8 Die anderen Jünger aber kamen in dem kleinen Boot, denn sie waren nicht weit vom Land entfernt, nur etwa neunzig Meter, und sie schleppten das Netz mit den Fischen nach.

9 Als sie jedoch ans Land stiegen, sahen sie dort ein Kohlenfeuer angelegt und Fisch darauf und Brot. 10 Jesus sprach zu ihnen: „Bringt einige von den Fischen, die ihr soeben gefangen habt.“ 11 Simon Petrus ging daher an Bord und zog das Netz voll großer Fische, deren hundertdreiundfünfzig, ans Land. Und obwohl es so viele waren, riß das Netz nicht. 12 Jesus sprach zu ihnen: „Kommt her, frühstückt.“ Keiner von den Jüngern hatte den Mut, sich bei ihm zu erkundigen: „Wer bist du?“, denn sie wußten, daß es der Herr war. 13 Jesus kam und nahm das Brot und gab es ihnen und ebenso den Fisch. 14 Das war nun das dritte Mal, daß Jesus den Jüngern erschien, nachdem er von den Toten auferweckt worden war.

15 Als sie nun gefrühstückt hatten, sprach Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Er sagte zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe.“ Er sprach zu ihm: „Weide meine Lämmer.“ 16 Wiederum, ein zweites Mal, sprach er zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Er sagte zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe.“ Er sprach zu ihm: „Hüte meine Schäflein.“ 17 Er sprach zum dritten Mal zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, hast du Zuneigung zu mir?“ Petrus wurde betrübt, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: „Hast du Zuneigung zu mir?“ Somit sagte er zu ihm: „Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe.“ Jesus sprach zu ihm: „Weide meine Schäflein. 18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, pflegtest du dich selbst zu gürten und umherzugehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich hintragen, wohin du nicht wünschst.“ 19 Das sagte er, um anzuzeigen, durch was für eine Todesart er Gott verherrlichen würde. Als er dies nun gesagt hatte, sprach er zu ihm: „Folge mir nach.“

20 Als Petrus sich umwandte, sah er den Jünger folgen, den Jesus liebte, denjenigen, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust zurückgelehnt und gesagt hatte: „Herr, wer ist der, der dich verrät?“ 21 Als er ihn daher erblickte, sagte Petrus zu Jesus: „Herr, was wird dieser [tun]?“ 22 Jesus sprach zu ihm: „Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme, was geht das dich an? Folge du mir nach.“ 23 Deshalb ging dieses Wort unter die Brüder aus, daß jener Jünger nicht sterben werde. Jesus sagte indes nicht zu ihm, daß er nicht sterben werde, sondern: „Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme, was geht das dich an?“

24 Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und der diese Dinge geschrieben hat, und wir wissen, daß das Zeugnis, das er ablegt, wahr ist.

25 Es gibt tatsächlich noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese jemals bis in alle Einzelheiten aufgeschrieben würden, so könnte – denke ich – selbst die Welt die geschriebenen Buchrollen nicht fassen.

Jule | 11.09.09 | Johannes, Text in der Bibel |

28 Comments »

  1. Jule

    Johannes 18 – 21

    Johannes 18:14

    Kaiphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei zu ihrem Nutzen, daß ein einziger Mensch zugunsten des Volkes sterbe.

    wieso sagte er dies? War er sich etwa der Rolle Jesu bewusst?

    Querverweis:

    (Johannes 11:49-53) 49 Einer von ihnen aber, Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte zu ihnen: „Ihr wißt überhaupt nichts, 50 und ihr bedenkt nicht, daß es zu eurem Nutzen ist, daß ein einziger Mensch zugunsten des Volkes sterbe und nicht die ganze Nation vernichtet werde.“ 51 Das sagte er jedoch nicht von sich selbst aus; sondern weil er jenes Jahr Hoherpriester war, prophezeite er, daß Jesus dazu bestimmt war, für die Nation zu sterben 52 und nicht für die Nation allein, sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in e i n s versammle. 53 Darum hielten sie von jenem Tag an Rat, um ihn zu töten.

    Kommentar — 22. November 2009 @ 11:52

  2. Jule

    Johannes 18:15-16

    Simon Petrus nun und noch ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und er ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters hinein, 16 Petrus aber stand draußen an der Tür. Daher ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus herein.

    was wissen wir sonst noch über diesen Jünger?

    Wer war er?

    Und was machte er dort?

    *** w91 1. 4. S. 31 Fragen von Lesern ***
    In Johannes 18:15 wird ein Jünger erwähnt, der dem Hohenpriester bekannt war. Handelte es sich dabei um denselben Jünger, der zuvor „nackt“ geflohen war, wie in Markus 14:51, 52 berichtet wird?

    Nein, anscheinend handelte es sich bei der dem Hohenpriester bekannten Person um den Apostel Johannes, während Markus der Jünger war, der „nackt“ floh.

    Beginnen wir mit der zeitlichen Abfolge der Ereignisse im Garten Gethsemane. Die Apostel wurden von Furcht erfaßt, als Jesus Christus festgenommen wurde. „Sie alle verließen ihn und flohen.“ Direkt im nächsten Vers des Markusevangeliums wird ein Gegensatz herausgestellt: „Aber ein gewisser junger Mann, der ein Kleid aus feiner Leinwand auf dem bloßen Leib trug, begann ihm nahe zu folgen; und man suchte ihn zu greifen, er aber ließ sein leinenes Kleid zurück und entfloh nackt“ (Markus 14:50-52).

    Der unmittelbaren Reaktion der 11 Apostel wird die des nicht namentlich genannten Jüngers gegenübergestellt. So ist logischerweise zu schlußfolgern, daß es sich bei ihm nicht um einen Apostel handelte. Diese Begebenheit wird nur in dem Evangelium erwähnt, das der frühe Jünger Johannes Markus, der Vetter des Barnabas, geschrieben hat. Deshalb besteht Grund zu der Annahme, daß Markus der „gewisse junge Mann“ war, der dem festgenommenen Jesus zu folgen begann, dann aber ohne sein Gewand floh, als der Pöbel sich auch seiner bemächtigen wollte (Apostelgeschichte 4:36; 12:12, 25; Kolosser 4:10).

    Irgendwann in dieser Nacht folgte der Apostel Petrus ebenfalls Jesus — in sicherer Entfernung. Hier besteht eine gewisse Ähnlichkeit; der als junger Mann bezeichnete Jünger (Markus) begann zunächst, Jesus zu folgen, floh dann aber, während zwei Apostel, die zuerst geflohen waren, später ihrem festgenommenen Herrn wieder folgten. Im Evangelium des Apostels Johannes lesen wir: „Simon Petrus nun und noch ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und er ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters hinein“ (Johannes 18:15).

    Der Apostel Johannes gebraucht den Namen „Johannes“ nur für Johannes den Täufer, doch sich selbst nennt er niemals mit Namen. Zum Beispiel spricht er von dem „Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis abgelegt und der diese Dinge geschrieben hat“, oder sagt: „Der, der es gesehen hat, hat Zeugnis abgelegt, und sein Zeugnis ist wahr, und dieser weiß, daß er Wahres sagt“ (Johannes 19:35; 21:24). Man beachte auch Johannes 13:23: „Am Busen Jesu lag einer von seinen Jüngern, und Jesus liebte ihn.“ Das war kurz vor Jesu Festnahme. Später an diesem Tag wählte der an den Pfahl geschlagene Jesus einen Jünger aus, auf den sich Johannes mit ähnlichen Worten bezog: „Als nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dabeistehen sah, sagte er zu seiner Mutter: ‚Frau, siehe, dein Sohn!‘ “ (Johannes 19:26, 27; vergleiche Johannes 21:7, 20).

    Auch Johannes 18:15 ist ein Beispiel für die Gewohnheit, sich selbst nicht mit Namen zu nennen. Des weiteren werden Johannes und Petrus im Bericht über das Geschehen nach der Auferstehung in Johannes 20:2-8 zusammen erwähnt. All das legt den Schluß nahe, daß es sich bei dem ‘Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war’, um den Apostel Johannes handelte. Die Bibel erklärt nicht im einzelnen, wieso der galiläische Apostel (Johannes) den Hohenpriester kannte bzw. der Hohepriester ihn. Doch weil die Hausgenossen des Hohenpriesters ihn kannten, ließ die Türhüterin ihn eintreten, und er erreichte, daß auch Petrus in den Hof kommen konnte.

    Kommentar — 23. November 2009 @ 02:53

  3. Jule

    Johannes 18:28

    Dann führten sie Jesus von Kaiphas zum Palast des Statthalters. Es war nun früh am Tag. Sie selbst gingen jedoch nicht in den Palast des Statthalters hinein, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern das Passah essen könnten.

    was für eine Scheinheiligkeit!

    Einen Menschen durch Falschanklagen und einen unfairen Proess zu Tode bringen lassen konnten sie schon – aber sie konnten nicht mit reinkommen, weil sie sich sonst für das Passah verunreinigt hätten.

    Dieser Mord an Jesus hatte sie also nicht verunreinigt?

    Denken wir selbst vielleicht auch manchmal so?

    Wie denkt wohl Jehova darüber?

    Kommentar — 23. November 2009 @ 02:53

  4. Jule

    Johannes 18:31

    Deshalb sagte Pilatus zu ihnen: „Nehmt ihn selbst, und richtet ihn nach eurem Gesetz.“ Die Juden sprachen zu ihm: „Uns ist es nicht erlaubt, jemand zu töten.“

    Haarspalterei!

    Hatten sie ihn nicht mit ihren Intrigen und Falschanklagen zu Tode gebracht?

    Konnte man wirklich sagen, sie hätten ihn nicht getötet?

    Wenn ich einen Killer beauftrage, einen Menschen zu töten, der mir im Weg ist und ihn für seine Dienste bezahle, habe ich mir aber selbst nicht die Finger schmutzig gemacht – aber gehe ich bei dem folgenden Prozess wirklich straffrei aus?

    Denken wir, es macht für Jehova einen Unterschied, ob wir die Person selbt umgebracht haben, oder ob wir uns eines bezahlten Killlers bedient haben?

    Wichtig ist doch, wie Jehova die Dinge sieht – und IHM können wir nichts vormachen!

    Kommentar — 23. November 2009 @ 02:54

  5. Jule

    Johannes 18 – 21

    Wieso fehlt hier bei Johannes der ganze Teil, wo Jesus mit seinen Jüngern das Passah feiert und die Feier zum Gedenken an seinen Tod einführt?

    Ist dies nicht ein wesentlicher Bestandteil der Guten Botschaft, die Jesus verkündigt hat?

    Kommentar — 11. November 2012 @ 17:02

  6. Jule

    Johannes 18:15-18

    Petrus verleugnet Jesus

    15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus, ´als er abgeführt wurde`. Dieser andere Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und konnte deshalb bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes mitgehen. 16 Petrus aber blieb draußen vor dem Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, wieder zurück, redete mit der Pförtnerin und nahm dann Petrus mit hinein.
    17 Die Pförtnerin fragte Petrus: »Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Mannes?« – »Nein«, antwortete Petrus, »das bin ich nicht.«
    18 Die Diener ´des hohepriesterlichen Hauses` und die Männer der Tempelwache hatten ein Kohlenfeuer angezündet, weil es kalt war; sie standen um das Feuer herum und wärmten sich. Petrus stellte sich zu ihnen und wärmte sich ebenfalls.

    Wieso wird Petrus hier als einer von denen erkannt, die mit Jesus waren – der andere, der für seinen Einlass sorgt, aber nicht?

    Und was ist mit ihm, als Petrus „in die Mangel genommen wird“? Wo befindet er sich?

    Steht er mit Petrus am Feuer – oder ist er wegen seiner Bekanntschaft mit dem Hohepriester vielleicht sogar hautnah mit dabei, als Jesus der Prozess gemacht wird?

    Kommentar — 11. November 2012 @ 17:08

  7. Jule

    Johannes 19 – Jesus wird von den Soldaten misshandelt und verspottet

    1 Daraufhin ließ Pilatus Jesus abführen und auspeitschen. 2 Nachdem die Soldaten ihn ausgepeitscht hatten, flochten sie aus Dornenzweigen eine Krone, setzten sie Jesus auf den Kopf und hängten ihm einen purpurfarbenen Mantel um. 3 Dann stellten sie sich vor ihn hin, riefen: »Es lebe der König der Juden!« und schlugen ihm dabei ins Gesicht.
    4 Anschließend wandte sich Pilatus ein weiteres Mal an die Menge . Er ging hinaus und sagte: »Ich bringe ihn jetzt zu euch heraus. Ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finden kann.« 5 Jesus trat heraus. Auf dem Kopf trug er die Dornenkrone, und er hatte den Purpurmantel um. Pilatus sagte zu der Menge: »Hier ist er jetzt, der Mensch! « 6 Aber sowie die führenden Priester und ihre Leute Jesus erblickten, schrien sie: »Lass ihn kreuzigen! Lass ihn kreuzigen!« – »Nehmt ihn doch selbst und kreuzigt ihn!«, erwiderte Pilatus. »Ich jedenfalls kann keine Schuld an ihm finden.« – 7 »Wir haben ein Gesetz«, hielten ihm die Juden entgegen, »und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er behauptet hat, er sei Gottes Sohn .«
    8 Als Pilatus das hörte, wurde ihm noch unheimlicher zumute. 9 Er ging ins Prätorium zurück und fragte Jesus: »Woher bist du eigentlich?« Aber Jesus gab ihm keine Antwort. 10 »Du weigerst dich, mit mir zu reden?«, sagte Pilatus. »Weißt du nicht, dass es in meiner Macht steht, dich freizulassen, aber dass ich auch die Macht habe, dich kreuzigen zu lassen?« 11 Jesus erwiderte: »Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb trägt der, der mich dir übergeben hat, eine größere Schuld .« 12 Daraufhin machte Pilatus noch einmal einen Versuch, Jesus freizulassen. Doch die Juden schrien: »Wenn du den freilässt, bist du nicht mehr der Freund des Kaisers! Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich gegen den Kaiser.«
    13 Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Pilatus ließ Jesus auf den Platz herausführen, den man das »Steinpflaster« nannte und der auf hebräisch Gabbata hieß. Dort nahm Pilatus auf dem Richterstuhl Platz. 14 Es war der Rüsttag in der Passafestzeit , und es war inzwischen etwa zwölf Uhr mittags . Pilatus sagte zu den Juden: »Seht da, euer König!« 15 Doch sie schrien: »Weg mit ihm! Weg mit ihm! Lass ihn kreuzigen!« – »Euren König soll ich kreuzigen lassen?«, fragte Pilatus. »Wir haben keinen König außer dem Kaiser!«, entgegneten die führenden Priester. 16 Da gab Pilatus ihrer Forderung nach und befahl, Jesus zu kreuzigen.
    Jesus wurde abgeführt.

    Wie mag sich Jesus dabei gefühlt haben?

    Er weiss doch, dass er Gottes Sohn ist und wie Jehova die Dinge sieht. Und er ist sich auch seiner eigenen Macht bewußt, wie seine Antwort an Pilatus zeigt. Wie schwer muss es ihm gefallen sein, jetzt ruhig und besonnen zu bleiben und nicht „mit der Faust auf den Tisch zu hauen“.

    Wahrscheinlich hält er die ganze Zeit seine Gedanken und seinen Sinn auf seine Aufgabe gerichtet. Dass es so geschehen muss, um die Prophezeiungen zu erfüllen und dass es nichts bringt, wenn er nun aufbegehrt und sie wegen ihrer Arroganz und Unverschämtheiten zur Rechenschaft zieht.

    Dies ist gar nicht so einfach – wenn wir die Macht hätten, dieses häßliche Spektakel um uns und unsere Person zu beenden!

    Kommentar — 11. November 2012 @ 17:22

  8. Jule

    Johannes 19:25-27

    25 Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester sowie Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala. 26 Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: »Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!« 27 Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: »Sieh, das ist jetzt deine Mutter!« Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für sie.

    Warum macht sich Jesus hier eigentlich Sorgen um seine Mutter? Selbst wenn Joseph zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben ist, so hat Jesus doch noch jede Menge Geschwister, die noch leben und für sie sorgen können. Immerhin zählen später zwei Brüder Jesu zu seinen Nachfolgern.

    Warum also wählt er Johannes dazu aus?

    Geht es ihm hier darum, dass seine Brüder zu diesem Zeitpunkt noch nicht an ihm glauben und die Mutter daher nicht wirklich trösten könnten?

    Kommentar — 11. November 2012 @ 17:28

  9. Jule

    Johannes 20 – Das leere Grab: Jesus ist auferstanden

    1 Am ersten Tag der neuen Woche , frühmorgens, als es noch dunkel war, ging Maria aus Magdala zum Grab. Sie sah, dass der Stein, mit dem man das Grab verschlossen hatte, nicht mehr vor dem Eingang war . 2 Da lief sie zu Simon Petrus und zu dem Jünger, den Jesus besonders lieb gehabt hatte, und berichtete ihnen: »Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.«
    3 Sofort machten sich Petrus und der andere Jünger auf den Weg und gingen zum Grab hinaus. 4 Die beiden liefen zusammen los, aber der andere Jünger war schneller als Petrus und erreichte das Grab als Erster. 5 Er beugte sich vor, um hineinzuschauen, und sah die Leinenbinden daliegen; aber er ging nicht hinein. 6 Simon Petrus jedoch, der inzwischen auch angekommen war, ging in die Grabkammer hinein. Er sah die Leinenbinden daliegen 7 und sah auch das Tuch, das man dem Toten um den Kopf gewickelt hatte. Es lag zusammengerollt an einer anderen Stelle, nicht bei den Binden. 8 Jetzt ging auch der Jünger, der zuerst angekommen war, ins Grab hinein und sah alles. Und er glaubte. 9 Nach der Schrift stand es ja fest, dass Jesus von den Toten auferstehen würde; aber das verstanden sie damals noch nicht.

    Der Auferstandene erscheint Maria aus Magdala

    10 Die beiden Jünger gingen nun wieder nach Hause. 11 Maria aber blieb draußen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen. 12 Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am Fußende. 13 »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragten die Engel. Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.«
    14 Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn , erkannte ihn jedoch nicht. 15 »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragte er sie. »Wen suchst du?« Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.« – 16 »Maria!«, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: »Rabbuni!« (Das bedeutet »Meister«; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.) 17 Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt . Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.« 18 Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. »Ich habe den Herrn gesehen!«, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte.

    Warum erscheinen diese beiden Engel und danach Jesus nur Maria – und nicht schon, als Petrus und Johannes nach dem Grab sehen?

    Könnte es sein, dass hier der Zeitfaktor eine Rolle spielt?:

    die beiden Männer sehen kurz hinein und als Jesus weg ist, hat sich der Fall für sie erledigt und sie wenden sich wieder ihrem normalen Tagwerk zu. Ganz im Gegensatz zu Maria, die das Ganze nicht fassen kann und wie betäubt in der Nähe bleibt. Vielleicht ist sie ja sogar in ihrer Verzweiflung im Gebet versunken. Vielleicht fragt sie ja Jehova, was dies alles zu bedeute habe – und die Engel und Jesus sind die Antwort Jehovas auf ihre Gebete

    Kommentar — 11. November 2012 @ 17:40

  10. Jule

    Johannes 18 – 21

    Johannes 18 – eine merkwürdige Reaktion

    1 Als Jesus dies gesprochen hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus über den Winterbach. Kidron ; dort war ein Garten, in den Jesus und seine Jünger eintraten. 2 Aber auch Judas, der ihn verriet, kannte den Ort; denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen Jüngern.
    3 Nachdem nun Judas die Truppe und von den obersten Priestern und Pharisäern Diener bekommen hatte, kam er dorthin mit Fackeln und Lampen und mit Waffen. 4 Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? 5 Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazarener ! Jesus spricht zu ihnen: Ich bin’s! Es stand aber auch Judas bei ihnen, der ihn verriet. 6 Als er nun zu ihnen sprach: Ich bin’s!, wichen sie alle zurück und fielen zu Boden. 7 Nun fragte er sie wiederum: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus, den Nazarener! 8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr nun mich sucht, so lasst diese gehen! 9 – damit das Wort erfüllt würde, das er gesagt hatte: Ich habe keinen verloren von denen, die du mir gegeben hast.

    10 Da nun Simon Petrus ein Schwert hatte, zog er es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Name des Knechtes aber war Malchus. 11 Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?

    12 Die Truppe nun und ihr Befehlshaber und die Diener der Juden ergriffen Jesus und banden ihn, 13 und sie führten ihn zuerst ab zu Hannas ; denn er war der Schwiegervater des Kajaphas, welcher in jenem Jahr Hoherpriester war. 14 Das war der Kajaphas, der den Juden geraten hatte, es sei besser, dass ein Mensch für das Volk umkomme.

    15 Simon Petrus aber folgte Jesus nach, und der andere Jünger. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. 16 Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger hinaus, der mit dem Hohenpriester bekannt war, und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein.

    17 Da spricht die Magd, die die Tür hütete, zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Petrus spricht: Ich bin“s nicht! 18 Es standen aber die Knechte und Diener um ein Kohlenfeuer, das sie gemacht hatten – denn es war kalt -, und wärmten sich; Petrus aber stand bei ihnen und wärmte sich.

    19 Der Hohepriester nun befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre . 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet; ich habe stets in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo die Juden immer zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet. 21 Was fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe!
    22 Als er aber dies sagte, schlug einer der Diener, die dabeistanden, Jesus ins Gesicht und sprach: Antwortest du so dem Hohenpriester? 23 Jesus erwiderte ihm: Habe ich unrecht geredet, so beweise, was daran unrecht war; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? 24 Hannas hatte ihn nämlich gebunden zum Hohenpriester Kajaphas gesandt.

    25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du einer seiner Jünger? Er leugnete und sprach: Ich bin“s nicht! 26 Da sagte einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? 27 Da leugnete Petrus nochmals, und sogleich krähte der Hahn.

    28 Sie führten nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium . Es war aber noch früh. Und sie selbst betraten das Prätorium nicht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passah essen könnten.
    29 Da ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: Was für eine Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre er kein Übeltäter, so hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert! 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden nun sprachen zu ihm: Wir dürfen niemand töten! 32 – damit Jesu Wort erfüllt würde, das er sagte, als er andeutete, durch welchen Tod er sterben sollte.

    33 Nun ging Pilatus wieder ins Prätorium hinein und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete ihm: Redest du das von dir selbst aus, oder haben es dir andere von mir gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die obersten Priester haben dich mir ausgeliefert! Was hast du getan?
    36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.
    37 Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du also ein König ? Jesus antwortete: Du sagst es; ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. 38 Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit?

    Und nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und sprach zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm! 39 Ihr habt aber eine Gewohnheit, dass ich euch am Passahfest einen freigebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden freigebe? 40 Da schrien sie wieder alle und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Mörder.

    Schon komisch die Reaktion von Pilatus:

    Die Juden bringen ihm Jesus, damit er ihn verurteile und er kommt nach dem Verhör raus und fragt, ob er ihn begnadigen solle…

    Wie kommt er darauf, dass sie so schnell ihre Meinung ändern würden?

    Zeigte nicht allein die Tatsache, dass sie zu ihm kommen – wo sie ihn doch als unrein betrachten, weshalb sie nicht selbst ins Haus kommen – dass es eine ernste Angelegenheit für sie ist?

    Kommentar — 25. Mai 2014 @ 07:37

  11. Jule

    Johannes 18:1-14
    Welche Rolle spielt Judas dabei?

    Hier in Vers 5 wird gesagt, dass er „mitten unter den Soldaten“ stand. Das sieht nicht wirklich nach einem „Anführer“ aus.

    Aber seine Rolle war es ja, dem Ort zu verraten, an dem Jesus sich ganz bestimmt ohne Volksmengen aufhalten würde. Diesen Ort hatte er bereits beim Aufbruch des Trupps verraten. Aber warum ging er mit?

    Jesus war zwar recht bekannt, ganz bestimmt auch bei seinen Feinden. Aber er fiel eher durch seine Art und Weise auf, nicht so sehr durch sein Äußeres. In einer seiner Ansprachen sagt Arnold Fruchtenbaum, dass wir uns die Szene deutlich vor unserem inneren Auge vorstellen sollen:

    Es ist später Abend, es ist schon fast dunkel und man kann nicht wirklich viel erkennen. Sie kommen auf den Berg und sehen in dem Garten eine Gruppe von Männern, die alle etwa das gleiche Alter hatten, alle trugen einen Vollbart und ein langes Gewand. Da Jesus sicherlich keine Mode mitmachte, hatte er sicherlich ein einfaches, schlichtes und praktisches Gewand an. Seine Jünger waren so etwas wie seine Fans und wir wissen, dass ein richtiger Fan sich seinem Idol anpasst, soweit es ihm möglich ist: er kleidet sich wie er, bewegt sich wie er, redet wie er usw.

    Woran also sollten die Truppen der Pharisäer und Priester und die Soldaten ihn da im Dunkeln erkennen?

    Aber sie hatten ja Judas dabei ;-(

    Interessant finde ich hier auch die Formulierung. In den anderen Evangelien wird er als der Frontman beschrieben, derjenige, der direkt voran geht und sie direkt zu Jesus führt und diesen mit einem Kuss verrät. Hier steht er nur mitten unter den Soldaten.

    Warum dieser Unterschied?

    Schreibt Johannes dies so, weil er Judas bereits vergeben hat und weil er selbst sein Evangelium deutlich später aufgeschrieben hat als die anderen und dadurch geistig reifer war?

    Oder will er dem Verräter nicht zu viel Platz einräumen, ihn nicht als so wichtig hinstellen?

    Kommentar — 25. Mai 2014 @ 08:11

  12. Jule

    Johannes 18:15-18, 25-27
    für Petrus wird seine impulsive Art zum Prüfstein

    Petrus ist ein sehr spontaner Mann, der sich viel von seinen Emotionen leiten lässt. Er eifert so sehr für Jesus und das, was dieser sagt und tut, dass er sich selbst damit „in Teufels Küche“ bringt.

    Als die Soldaten kommen und Jesus festnehmen wollen, ist er derjenige, der seinen Herrn beschützen will. Er greift zum Schwert, um Jesus wieder frei zu bekommen. Dabei verletzt er einen der Soldaten schwer (Vers 10).

    Später ist er der erste, der Jesus folgt. Er will ihn nicht allein lassen, während die meisten anderen fliehen. Zwar kann er nicht wirklich helfen, aber oftmals tut es gut zu sehen, dass wir nicht allein sind und dass unsere Freunde zu uns halten. Diesen Freundschaftsdienst tut Petrus für Jesus. Er hält sich in der Nähe auf.

    Das Verhör beginnt und Petrus wärmt sich am Feuer. Wahrscheinlich kann Petrus nicht hören, was beim Hohenpriester gesprochen wird, aber er spürt die feindselige Stimmung im Hof und hört dort, wie die Leute über das reden, was hier passiert.

    Nun kippt bei ihn die Stimmung und er bekommt Angst. In dieser Situation wird er darauf angesprochen, dass er ein Freund von Jesus sei und er leugnet es. Wahrscheinlich hat er Angst, dass er sonst ebenso behandelt wird, wie sein Herr. Hatte dieser nicht auch was davon erzählt, dass er grausam behandelt werden würde und sterben müsse?

    Mehrfach wird er darauf angesprochen und jedesmal leugnet er es. Beim dritten mal kräht ein Hahn – so, wie Jesus es ihm vorausgesagt hatte. Er schämt sich in Grund und Boden.

    Interessant, dass hier nicht nur das Krähen die Scham auslöst, sondern sicherlich noch zuvor das, was der Mann zu ihm sagt: „bist du nicht der, der meinem Verwandten das Ohr abgehauen hat?“

    Er erinnert ihn daran, dass er nur wenige Stunden zuvor bereit gewesen war, seinen Freund mit seinem eigenen Leben zu verteidigen. Und nun? Nun leugnet er sogar, ihn zu kennen.

    Ich kann mir vorstellen, dass beides bei Petrus zusammen kommt: die Scham seines eigenen Versagens und das Krähen des Hahns, dass eigentlich nicht mehr unbedingt nötig gewesen wäre. Es zeigt ihm lediglich, dass Jesus ihn wirklich sehr gut kannte und wußte, was passieren würde. Es war eher eine Bestätigung

    weitere Gedanken zu Johannes 18 finden wir hier

    Kommentar — 25. Mai 2014 @ 08:30

  13. Jule

    Johannes 18:15-27
    Die Art, wie das Geschehen aufgezeichnet wurde

    Jeder Evangelist hatte seine eigene Vorgehensweise bei der Aufzeichnung der Evangelien. Lukas war derjenige, der das Ganze chronologisch sortierte. Johannes hatte andere Dinge, die ihm dabei wichtig waren – er konzentrierte sich ganz auf die Liebe, die Jehova und Jesus für uns empfinden und gezeigt hatten.

    Daher finde ich – nachdem ich das Kapitel noch mal als mp3 gehört habe – es interessant, dass nicht zuerst die Geschichte mit dem Verhör komplett erzählt wird und dann die von Petrus im Hof oder umgekehrt.

    Könnte der Grund hierfür sein, dass Petrus – vielleicht durch ein offenes Fenster – alles mitbekommt, was mit Jesus passiert? Alles was gesagt wird, wie er behandelt wird und wie Jesus darauf reagiert?

    Das würde auch erklären, warum er jetzt sogar mehrfach leugnet, den Mann zu kennen, von dem er überzeugt ist, dass dies der Messias ist – wohingegen er noch vor wenigen Stunden bereit war, mit seinem Leben für ihn einzutreten

    weitere Gedanken zu Johannes 18 finden wir hier

    Kommentar — 25. Mai 2014 @ 21:02

  14. Jule

    Johannes 19 – hier schlagen bei allen die Emotionen hohe Wellen!

    Behalten wir bitte beim Lesen im Sinn, was wir zum Schluß im vorherigen Kapitel gelesen hatten:

    Die Priester haben Jesus zu Pilatus gebracht, um ein Todesurteil über ihn zu erwirken und nachdem dieser ihn verhört hat, bietet er ihnen an, Jesus zu begnadigen. Also das Gegenteil von dem, weshalb sie zu ihm gekommen waren. Nun geht es also weiter:

    1 Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Kriegsknechte flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen Purpurmantel um 3 und sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden!, und schlugen ihn ins Gesicht.
    4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde! 5 Nun kam Jesus heraus und trug die Dornenkrone und den Purpurmantel. Und er spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch! 6 Als ihn nun die obersten Priester und die Diener sahen, schrien sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!
    Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.

    7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach unserem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat! 8 Als Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr, 9 und er ging wieder in das Prätorium hinein und sprach zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. 10 Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Vollmacht habe, dich zu kreuzigen, und Vollmacht habe, dich freizulassen? 11 Jesus antwortete: Du hättest gar keine Vollmacht über mich, wenn sie dir nicht von oben her gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir ausliefert , größere Schuld !

    12 Von da an suchte Pilatus ihn freizugeben. Aber die Juden schrien und sprachen: Wenn du diesen freilässt, so bist du kein Freund des Kaisers; denn wer sich selbst zum König macht, der stellt sich gegen den Kaiser! 13 Als nun Pilatus dieses Wort hörte , führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl, an der Stätte, die Steinpflaster genannt wird, auf Hebräisch aber Gabbatha. 14 Es war aber Rüsttag für das Passah, und zwar um die sechste Stunde . Und er sprach zu den Juden: Seht, das ist euer König! 15 Sie aber schrien: Fort, fort mit ihm! Kreuzige ihn!
    Pilatus spricht zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die obersten Priester antworteten: Wir haben keinen König als nur den Kaiser! 16 Da übergab er ihnen [Jesus], damit er gekreuzigt werde. Sie nahmen aber Jesus und führten ihn weg.

    17 Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgatha heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn, und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte .

    19 Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es stand geschrieben: »Jesus, der Nazarener, der König der Juden«. 20 Diese Überschrift nun lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache geschrieben.
    21 Da sprachen die obersten Priester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern dass jener gesagt hat: Ich bin König der Juden! 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!

    23 Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand aber war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stück gewoben . 24 Da sprachen sie zueinander: Lasst uns das nicht zertrennen, sondern darum losen, wem es gehören soll! – damit die Schrift erfüllt würde, die spricht: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen« . Dies nun taten die Kriegsknechte.

    25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas , und Maria Magdalena . 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

    28 Nach diesem, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet ! 29 Es stand nun ein Gefäß voll Essig da; sie aber tränkten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht ! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

    31 Weil es Rüsttag war – jener Sabbat war nämlich ein hoher Festtag -, baten die Juden nun Pilatus, damit die Leichname nicht während des Sabbats am Kreuz blieben , dass ihnen die Beine zerschlagen und sie herabgenommen würden. 32 Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine, ebenso dem anderen, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, 34 sondern einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

    35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit ihr glaubt . 36 Denn dies ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: »Kein Knochen soll ihm zerbrochen werden« . 37 Und wiederum sagt eine andere Schrift: »Sie werden den ansehen, welchen sie durchstochen haben« .

    38 Danach bat Joseph von Arimathia – der ein Jünger Jesu war, jedoch heimlich, aus Furcht vor den Juden – den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leib Jesu herab.
    39 Es kam aber auch Nikodemus , der zuvor bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa 100 Pfund. 40 Sie nahmen nun den Leib Jesu und banden ihn samt den wohlriechenden Gewürzen in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben pflegen.

    41 Es war aber ein Garten an dem Ort, wo Jesus gekreuzigt worden war, und in dem Garten ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war. 42 Dorthin nun legten sie Jesus, wegen des Rüsttages der Juden, weil das Grab nahe war.

    Ein Kapitel voller Emotionen. Jeder Einzelne von ihnen wird von seinen Emotionen überrollt:

    • Die Priester und das Volk sind voller Hass. Sie sind für keinerlei Argumente zugänglich – sie wollen ihn um jeden Preis tot sehen
    • Pilatus ist verunsichert. Er findet keine Schuld an diesem Mann und sucht, dessen Tod zu verhindern. Aber es gelingt ihm nicht. Außerdem fühlt er sich wohl veräppelt (s.u.)
    • Die Soldaten baden sich in Machtspielchen – sie erniedrigen Jesus, wo sie können. Später versuchen sie Gewinn aus der Situation zu schlagen (siehe die Sache mit seinen Kleidern).
    • Die Führer der Juden sind sauer. Obwohl sie das gewünschte Todesurteil erwirken können und es am selben Tag vollstreckt wird, können sie Pilatus nicht manipulieren, was das Schild über Jesu Kopf angeht.
    • Die Jünger von Jesus und seine Mutter sind voller Trauer und Schmerz, denn sie müssen den Tod ihres geliebten Sohn und Meisters beobachten und können nichts tun, als ihm zu zeigen, dass sie ihn nicht in der Stunde seines Todes allein lassen.
    • Jesus leidet Höllenqualen, da er am Kreuz oder Pfahl hängt, aber er freut sich sicherlich auch darüber, dass er mit seinem Tod so viel Gutes für uns Menschen tun kann und dass er bald wieder ganz nah beim Vater ist.
    • Zwei Männer sind zutiefst beschämt. Einer von ihnen ist Nikodemus und beide haben sich nicht zu Jesus bekannt, sondern waren nur mal kurz heimlich da. Nun bereuen sie das sicherlich, denn es wird keine Gelegenheit mehr geben.
    • Seine Jünger sind verunsichert, denn sie hatten gehofft, dass jetzt und hier sein Reich aufrichtet, nun ist er tot. Auf dem Weg nach Emmaus fassen sie ihre Enttäuschung in Worte.

    Welche Emotionen kommen bei uns beim Lesen dieses Kapitels hoch?

    Kommentar — 25. Mai 2014 @ 23:08

  15. Jule

    Pilatus ist sauer, weil er merkt, dass sie ihn manipuliert haben

    Sie kommen zu ihm, wollen, dass er einen Mann zum Tode verurteilt, den er selbst für unschuldig hält. Aber sie können nicht in sein Haus kommen, weil sie sich sonst verunreinigen. Ja, ja, ihre religiösen Vorschriften…

    Was wollen sie eigentlich von ihm? Was soll denn die Anklage sein? Weshalb soll er den Mann eigentlich dem Tode überliefern?

    Ach ja, ihre Religion. Er hat etwas getan, was gegen die Regeln ihrer Religion geht.

    Aber warum machen sie es dann nicht selbst, wenn es eine religiöse Angelegenheit ist? Was hat er als weltlicher Verwalter und Richter damit zu tun?

    Nun fangen sie an, ihn unter Druck zu setzen: „wenn du nicht tust, was wir wollen, dann schwärzen wir dich beim Cäsar an“

    Pilatus gibt dem Druck nach, denn warum sollte er seine politische Karriere einem Mann opfern, mit dem er eigentlich nichts zu tun hat?

    Aber er ist stinksauer. Es fühlt sich eben nicht sonderlich gut an, manipuliert worden zu sein.

    Vielleicht macht er aus genau diesem Grunde das Schild über Jesu Kopf, denn es wird nichts davon gesagt, dass die anderen beiden Verbrecher auch eins bekommen hätten.

    Hatten die Juden ihn zuvor ausgetrickst, so kann er das auch. Er schreibt genau das auf das Schild, was er über Jesus denkt und was die Juden so aufgebracht hat.

    Nun sind sie sauer und verlangen, dass die Inschrift geändert wird. Aber nicht mit ihm! Was er geschrieben hat, hat er geschrieben – ebenso wie sie ihn gezwungen hatten, etwas zu tun, von dem er nicht überzeugt war.

    Ob diese Botschaft bei den Juden angekommen war? Aber hätte es etwas geändert?

    Hat die Angelegenheit etwas bei Pilatus geändert?

    Sicherlich war jede Menge Wut da und Scham, dass er sich so hat manipulieren lassen. Aber hat er sich vielleicht im Nachhinein mit diesem Mann beschäftigt und vielleicht sogar an ihn geglaubt?

    Wird davon irgendetwas erwähnt?

    weitere Gedanken zu Johannes 19 finden wir hier

    Kommentar — 26. Mai 2014 @ 09:03

  16. Jule

    Johannes 20 – warum ausgerechnet das Evangelium des Johannes benutzt wird, um den Menschen Jesus näher zu bringen

    1 Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein von dem Grab hinweggenommen war. 2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben! 3 Nun gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und begaben sich zu dem Grab. 4 Die beiden liefen aber miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, 5 und er beugte sich hinein und sah die leinenen Tücher daliegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kommt Simon Petrus, der ihm folgte, und geht in das Grab hinein und sieht die Tücher daliegen 7 und das Schweißtuch, das auf seinem Haupt war, nicht bei den Tüchern liegen, sondern für sich zusammengewickelt an einem besonderen Ort. 8 Darauf ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und er sah und glaubte.
    9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen müsse. 10 Nun gingen die Jünger wieder heim.

    11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Wie sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab, 12 und sie sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, den einen beim Haupt, den anderen zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. 13 Und diese sprechen zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! 14 Und als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen und wusste nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus spricht zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich will ihn holen! 16 Jesus spricht zu ihr: Maria ! Da wendet sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni ! (das heißt: »Meister«). 17 Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

    18 Da kommt Maria Magdalena und verkündet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen und dass er dies zu ihr gesprochen habe. 19 Als es nun an jenem Tag, dem ersten der Woche, Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, da kam Jesus und trat in ihre Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh , als sie den Herrn sahen.

    21 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist ! 23 Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

    24 Thomas aber, einer von den Zwölfen, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Da sagten ihm die anderen Jünger: Wir haben den Herrn gesehen ! Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe und meinen Finger in das Nägelmal lege und meine Hand in seine Seite lege, so werde ich es niemals glauben !
    26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger wiederum drinnen, und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt in ihre Mitte und spricht: Friede sei mit euch! 27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Und Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
    29 Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!

    30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben , damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus , der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen .

    Der letzte Vers erklärt, warum ausgerechnet das Evangelium des Johannes benutzt wird, um den Menschen Jesus näher zu bringen.

    Erinnern wir uns noch an den Besuch des Teams aus Ohio, das uns letztes Jahr beim Outreach (Predigen) unterstützt hatte? Wir haben den Leuten einen Bibelkurs angeboten, der „Die 7 Zeichen des Johannes“ hieß und in dem wir 7 Wochen lang jede Woche ein herausragendes Wunder Jesu mit den Leuten besprochen haben. Mir hat der Kurs ebenso viel Freude gemacht, wie der jungen Frau, der ich damit helfen konnte.

    Wie wir bereits erwähnt hatten, hat jeder Evangelist einen anderen Schwerpunkt im Sinn und bei Johannes ist es zum einen die Liebe Jesu und Jehovas und – wie wir hier lesen – den Menschen zu beweisen, dass Jesus wirklich der Messias ist.

    Vielleicht auch der Grund, warum man bei VdHS neben vielen Traktaten, Broschüren, Büchern und anderen Hilfsmitteln ausgerechnet das Johannesevangelium als kleine Ausgabe für die Brusttasche bekommt 🙂

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:21

  17. Jule

    Johannes 20:1-9
    Petrus und Johannes und ihre unterschiedliche Reaktion am leeren Grab

    Beide rennen so schnell sie können zum Grab, als sie hören, dass es leer ist. Johannes kommt zuerst an, guckt kurz rein und belässt es dabei. Petrus hingegen geht ganz rein und schaut sich ganz genau um.

    Beide sehen das Gleiche: das Grab ist leer, Jesus ist weg.

    Was aber bedeutet der letzte Satz?: „er sah und glaubte, denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen müsse“ (Vers 8-9)

    Was genau glaubten sie denn, wenn sie das mit der Auferstehung noch nicht begriffen?

    Auf der anderen Seite blieben sie im Gegensatz zu den beiden Jüngern, die nach Emmaus gingen, in der Stadt und versammelten sich auch weiterhin mit denjenigen, die an Jesus glaubten.

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:28

  18. Jule

    Johannes 20:11-17
    Warum bekommen die Frauen eine Erklärung – ganz im Gegensatz zu Johannes und Petrus?

    Als Johannes und Petrus ins Grab sehen, ist es „nur“ leer. Als die Frauen das Selbe tun, sehen sie 2 Engel, die ihnen erklären, warum dies so ist. Sie bekommen von Boten Gottes die Zusicherung: Jesus ist von den Toten auferstanden!

    Warum war das bei den Männern nicht so?

    Hatte Jesus ganz gezielt die Frauen auserwählt, die Auferstehung zu verkünden?

    Warum? Kann es sein, dass er damit noch einmal klar machen will,dass Frauen in Gottes Plan keine niedere Stellung haben?

    Dass sie sich zwar den Männern unterordnen sollen, so wie sich Jesus dem Vater unterordnet – aber keineswegs weniger wert sind?

    Später greift Paulus den Gedanken auf, wenn er in Epheser 5 und an anderen Stellen über die Unterordnung der Frau spricht

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:34

  19. Jule

    Johannes 20:14-28
    Mit was für einem Leib ist Jesus auferstanden?

    Nachdem Jesus als Mensch mit einem Leib aus Fleisch gestorben ist, muss der Leib, mit dem er auferstanden ist, eigentlich ebenfalls einer aus Fleisch sein. Denn er ist ja als Mensch auferstanden und erst nach einigen Tagen in den Himmel aufgefahren.

    Warum erkennt Maria ihn dann nicht sofort, als sie ihn in der Nähe des leeren Grabes stehen sieht und hält ihn für den Gärtner? (Vers 14)
    Warum sagt Jesus zu ihr, sie solle ihn nicht anrühren, denn er sei noch nicht in den Himmel aufgefahren?

    Auf der anderen Seite hat er ungesehen Zutritt zu dem Raum, wo sich seine Jünger treffen, von dem aber gesagt wird, dass sie ihn aus Furcht vor den Juden verschlossen (Vers 19 und 26). Wie ist dies mit einem Leib aus Fleisch möglich? Wie konnte er durch Türen oder Wände gehen? Ist dies etwa ein ähnliches Phänomen wie die Sache, wo er auf dem Wasser geht, was ja eigentlich auch unmöglich ist?

    Zu Maria sagt er, sie solle ihn nicht anrühren und da er scheinbar durch Wände gehen kann, könnte man annehmen, er habe einen Leib wie die Engel, die sich materialisieren können, wenn es nötig ist.

    Auf der anderen Seite fordert er Thomas auf, seine Wunden zu berühren. Selbst, wenn dieser das nicht getan haben sollte, so bleibt doch die Tatsache, dass er ihn bei der Hand fasst, als er ihn dazu auffordert. (Vers 27)

    Naja, wenn wir es genau nehmen, hatte der Engel, der Lot und seine Familie aus Sodom heraus führte, ihn auch bei der Hand gepackt, als diese noch zögerten

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:52

  20. Jule

    Im WT vom 01.12.2004 ist dies Gegenstand einer Leserfrage:

    Warum sagte Jesus nach seiner Auferstehung zu Thomas, er solle ihn berühren, wenn er doch Maria Magdalene vorher davon abgehalten hatte?

    Einige ältere Bibelübersetzungen vermitteln den Eindruck, dass Jesus zu Maria Magdalene sagte, sie solle ihn nicht berühren. In der Lutherbibel heißt es beispielsweise: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater“ (Johannes 20:17). Das griechische Verb, das gewöhnlich mit „berühren“ wiedergegeben wird, kann auch mit „an etwas klammern, festhalten, fassen, ergreifen, anfassen“ übersetzt werden. Jesus hatte wohl nichts dagegen, dass Maria Magdalene ihn lediglich berührte, denn schließlich erlaubte er auch den Frauen, die vom Grab kamen, ihn ‘bei den Füßen zu fassen’ (Matthäus 28:9).

    Viele moderne Übersetzungen, wie die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, die Einheitsübersetzung und die Gute Nachricht Bibel, lassen erkennen, was Jesus wirklich meinte. Sie geben den Text mit „Hör auf, dich an mich zu klammern“ oder „Halte mich nicht fest“ wieder. Doch warum sagte Jesus das zu Maria Magdalene, einer guten Bekannten? (Lukas 8:1-3).

    Offenbar befürchtete Maria Magdalene, Jesus würde gleich in den Himmel auffahren. Um das zu verhindern hielt sie ihn fest; sie wollte unbedingt bei ihrem Herrn sein. Jesus gebot ihr aber, sich nicht mehr an ihn zu klammern, sondern seinen Jüngern von seiner Auferstehung zu berichten. Dadurch gab er ihr zu verstehen, dass er noch nicht in den Himmel auffahren würde (Johannes 20:17).

    Die Umstände, die zu dem Gespräch zwischen Jesus und Thomas führten, waren ganz anders. Als Jesus einigen seiner Jünger erschien, war Thomas nicht dabei. Später äußerte Thomas seine Zweifel an der Auferstehung Jesu. Er wollte erst daran glauben, wenn er die durch die Nägel entstandenen Wunden sehen und seine Hand in Jesu durchstochene Seite legen könnte. Acht Tage später erschien Jesus den Jüngern noch einmal. Diesmal war auch Thomas anwesend und Jesus sagte zu ihm, er solle seine Wunden berühren (Johannes 20:24-27).

    Im ersten Fall reagierte Jesus auf den unangebrachten Wunsch Maria Magdalenes, ihn nicht gehen zu lassen, und im zweiten Fall wollte Jesus Thomas jeden Zweifel nehmen. Jesus reagierte in beiden Situationen richtig und den Umständen angepasst.

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:53

  21. Jule

    Im Unterredungsbuch wird ganz klar gesagt, dass Jesus als Geist auferstanden ist, nicht als Mensch:

    (Bei seiner Auferstehung von den Toten wurde Jesus mit einem geistigen Leib hervorgebracht.)

    Apg. 10:40, 41: „Diesen [Jesus Christus] hat Gott am dritten Tag auferweckt und ihn offenbar werden lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern den von Gott zuvor bestimmten Zeugen.“ (Warum sahen ihn nicht auch andere? Weil er ein Geistgeschöpf war, und wenn er sich verkörperte, um sich sichtbar zu machen — wie Engel es in der Vergangenheit getan hatten —, so tat er es nur in Gegenwart seiner Jünger.)

    1. Kor. 15:45: „So steht auch geschrieben: ,Der erste Mensch, Adam, wurde eine lebendige Seele.‘ Der letzte Adam [Jesus Christus, der ebenso vollkommen war wie Adam bei seiner Erschaffung] wurde ein lebengebender Geist.“

    Was bedeutet Lukas 24:36-39 in bezug auf den Leib, in dem Jesus auferweckt wurde?

    Luk. 24:36-39: „Während sie [die Jünger] von diesen Dingen redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sprach zu ihnen: ,Friede sei mit euch!‘ Doch weil sie erschraken und Furcht sie ergriffen hatte, meinten sie, sie sähen einen Geist. Da sprach er zu ihnen: ,Warum seid ihr beunruhigt, und warum steigen Zweifel in eurem Herzen auf? Seht meine Hände und meine Füße, daß ich selbst es bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe.‘ “

    Menschen können Geister nicht sehen, weshalb die Jünger offenbar dachten, sie hätten eine Erscheinung oder sähen eine Vision. (Vergleiche Markus 6:49, 50.) Jesus versicherte ihnen, daß er keine Erscheinung sei; sie konnten seinen Fleischesleib sehen, ihn berühren und feststellen, daß er Knochen hatte; er aß auch in ihrer Gegenwart. In ähnlicher Weise hatten sich in der Vergangenheit Engel verkörpert, um von Menschen gesehen zu werden; sie hatten gegessen, und einige hatten sogar geheiratet und Kinder gezeugt (1. Mo. 6:4; 19:1-3). Jesus erschien seinen Jüngern nach seiner Auferstehung nicht immer in demselben Fleischesleib (vielleicht um ihnen die Tatsache einzuprägen, daß er jetzt ein Geist war), weshalb er selbst von seinen vertrauten Freunden nicht sogleich erkannt wurde (Joh. 20:14, 15; 21:4-7). Durch sein wiederholtes Erscheinen in einem materialisierten Leib und dadurch, daß er Dinge sagte und tat, die erkennen ließen, daß er der Jesus war, den sie gekannt hatten, stärkte er jedoch ihren Glauben an die Tatsache, daß er wirklich von den Toten auferstanden war.

    Hätten die Jünger Jesus tatsächlich in dem Leib gesehen, den er jetzt im Himmel hat, hätte Paulus später von dem verherrlichten Christus nicht gesagt, er sei „der genaue Abdruck seines [Gottes] Wesens selbst“, denn Gott ist ein Geist und hat nie im Fleisch existiert (Heb. 1:3; vergleiche 1. Timotheus 6:16).

    Wenn wir die auf Seite 44, 45 erwähnten Texte aus 1. Petrus 3:18 und 1. Korinther 15:45 im Sinn behalten, können wir die Berichte über die Erscheinungen Jesu nach seiner Auferstehung besser verstehen.

    Warum diese Unterschiede?

    Ist er nun als Geist oder als Mensch auferstanden?

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 11:58

  22. Jule

    in den Glaubensgrundlagen von Rock Berlin finden wir folgendes über Jesus:

    Gott der Vater hat freiwillig und aus Liebe für die sündigen Menschen Jesus Christus, Seinen Sohn, in die
    Welt gesandt, um sie mit Sich zu versöhnen. Jesus Christus wurde durch den Heiligen Geist in der Jungfrau Maria als Mensch gezeugt (Jes. 7,14; Lk. 1,31-35; Phil. 2,5-8). Als Gott und Mensch zugleich führte Er ein sündloses Leben auf dieser Erde (2. Kor. 5,21; Hebr. 4,15) und gab am Kreuz Sein Leben als ein stellvertretendes Opfer für unsere Sünden (Apg. 20,28; Gal. 3,13).

    Er ist am dritten Tag nach seinem Tod von den Toten leibhaftig auferstanden (Joh. 20,1-19; 1. Kor. 15,1-23) und später in den Himmel aufgefahren (Apg. 1,9-10).

    Nun sitzt er zur Rechten Gottes als unser Hohepriester (Hebr. 4,14-16), als einziger Mittler zwischen Gott und Menschen (1.Tim.2,5). Er wird eines Tages persönlich, sichtbar und körperlich wiederkommen, um alle Menschen zu richten und Sein Reich aufzurichten (Phil. 2,9-11; Offb. 19,6-20).

    Kommentar — 27. Mai 2014 @ 12:28

  23. Jule

    Was ist ein verklärter Leib?

    *** w80 15. 1. S. 5-6 Was ist unter dem Tausendjährigen Reich zu
    verstehen? ***

    In dem Jahrhundert nach dem Tode des Apostels Johannes kam die Ansicht auf, Christus werde während des Tausendjährigen Reiches auf der Erde herrschen, vielleicht vom wieder erbauten Jerusalem aus. Nach Meinung des Historikers J. Mosheim könnte diese Auffassung durch eine Verschmelzung der christlichen Hoffnung auf „das himmlische Königreich unseres Heilands“ mit der unter den Juden vorherrschenden Hoffnung auf „ein irdisches Königreich des Messias“ entstanden sein. In Kleinasien trat die Sekte der Montanisten auf, die lehrten, Jesus werde von Phrygien aus regieren. Sowohl sie als auch andere lehrten, daß sich viele phantastische Dinge zutragen würden, wenn Christus und seine
    Miterben während des Tausendjährigen Reiches auf der Erde herrschten.
    Zum Beispiel würden sich diese Herrscher sinnlichen Vergnügungen aller Art — auch in geschlechtlicher Hinsicht — hingeben. Und sie würden materielle Körper haben, die herrlicher und verklärter als die Körper anderer wären. Solche extremen Ansichten galten damals als typisch für die, die an das Tausendjährige Reich glaubten. Als Folge davon verlor nach Meinung Dr. A. Neanders die ganze Lehre vom Tausendjährigen Reich ihren guten Ruf.

    Kommentar — 28. Mai 2014 @ 11:11

  24. Jule

    im Verkündiger-Buch in Kapitel 5, S 45 heißt es auszugsweise:

    Weder Barbour noch Russell war der erste, der die Wiederkunft des Herrn als unsichtbare Gegenwart erklärte. Schon viel früher hatte Sir Isaac Newton (1642—1727) geschrieben, daß Christus wiederkehren und „für Sterbliche unsichtbar“ regieren werde. 1856 hatte Joseph Seiss, ein lutherischer Pfarrer in Philadelphia (Pennsylvanien), über ein zweites Kommen geschrieben, das in zwei Phasen vor sich gehen werde — eine unsichtbare parousía oder Gegenwart, gefolgt von einer sichtbaren Kundgebung. 1864 hatte Benjamin Wilson seine Emphatic Diaglott
    veröffentlicht mit der Zwischenzeilenwiedergabe „Gegenwart“ für parousía statt „Kommen“. B. W. Keith, der mit Barbour verbunden war, hatte Barbour und dessen Gefährten darauf aufmerksam gemacht.

    Zeitprophezeiungen und die Gegenwart des Herrn

    Im Januar 1876 erhielt der 23jährige Russell eines Morgens eine Ausgabe des Herald of the Morning (Herold des Morgens), einer religiösen Zeitschrift. Am Titelbild erkannte er, daß sie von adventistischer Seite kam. Der Herausgeber, Nelson H. Barbour aus Rochester (New York), glaubte, daß der Zweck der Wiederkunft Christi nicht darin bestehe, die Familien der Erde zu vernichten, sondern sie zu segnen, und daß Christus nicht im Fleisch, sondern als Geistwesen wiederkommen werde. Genau das glaubten Russell und seine Gefährten in Allegheny seit einiger Zeit! Merkwürdigerweise war Barbour jedoch aufgrund biblischer Zeitprophezeiungen davon überzeugt, daß Christus bereits (unsichtbar) gegenwärtig sei und daß die Zeit für das Erntewerk des Einsammelns des „Weizens“ (wahre Christen, die die Klasse der Königreichserben bilden) bereits gekommen sei (Mat., Kap. 13).

    Russell schreckte vor biblischen Zeitprophezeiungen zurück. Nun fragte er sich jedoch: „Konnte es sein, daß die Zeitprophezeiungen, die ich wegen ihres Mißbrauchs durch die Adventisten so lange verachtet hatte, in Wirklichkeit anzeigen sollten, wann der Herr unsichtbar gegenwärtig sein würde, um sein Reich aufzurichten?“ Russell mußte mehr darüber erfahren, da er einen unstillbaren Durst nach biblischer Wahrheit hatte. Deshalb vereinbarte er eine Begegnung mit Barbour in Philadelphia. Bei diesem Treffen hatten sie die Gelegenheit, Ansichten auszutauschen, und es bestätigte sich, daß sie über eine Reihe biblischer Lehren übereinstimmend dachten. „Als wir das erste Mal zusammentrafen“, berichtete Russell später, „hatte er viel von mir zu lernen über die Fülle der Wiederherstellung, wie sie ihre Grundlage in der Vollgültigkeit des für alle gegebenen Lösegeldes hat, während ich viel von ihm in bezug auf die Zeit zu lernen hatte.“ Barbour konnte Russell davon überzeugen, daß Christi unsichtbare Gegenwart 1874 begonnen habe.

    „Zu einem rührigen Feldzug für die Wahrheit“ entschlossen

    C. T. Russell war ein Mann mit einer festen Überzeugung. Da er überzeugt war, daß Christi unsichtbare Gegenwart bereits begonnen hatte, war er entschlossen, sie anderen zu verkündigen. Er sagte später: „Die Erkenntnis der Tatsache, daß wir uns schon in der Erntezeit befanden, diente mir zu einem mächtigen Antriebe, die Wahrheit auszubreiten, wie ich ihn zuvor nie gekannt hatte. Ich entschloß mich daher sofort zu einem rührigen Feldzug für die Wahrheit.“ Russell entschied sich nun, seine geschäftliche Tätigkeit einzuschränken, damit er sich dem Predigen widmen konnte.
    Um falschen Ansichten über die Wiederkunft des Herrn entgegenzuwirken, schrieb Russell die Flugschrift The Object and Manner of Our Lord’s Return (Der Zweck und die Art und Weise der Wiederkunft unseres Herrn). Sie erschien 1877. Im selben Jahr gaben Barbour und Russell gemeinsam Three Worlds, and the Harvest of This World (Drei Welten und die Ernte dieser Welt) heraus. In diesem 196seitigen Buch wurden die Themen Wiederherstellung und biblische Zeitprophezeiungen besprochen. Beide Themen waren zwar schon zuvor von anderen einzeln abgehandelt worden, doch nach Russells Meinung war dieses Buch „das erste, das den Gedanken der Wiederherstellung mit der Zeitprophetie verband“. Darin wurde die Auffassung dargelegt, daß Jesu Christi unsichtbare Gegenwart im Herbst 1874 begonnen habe.

    Während Russell reiste und predigte, wurde ihm klar, daß mehr erforderlich war, um die Samen der Wahrheit, die er säte, zum Keimen zu bringen und zu bewässern. Er dachte an eine „Monatsschrift“. Er und Barbour beschlossen daher, den Herald, dessen Erscheinen wegen gekündigter Abonnements und erschöpfter Geldmittel eingestellt worden war, erneut herauszugeben. Russell steuerte eigene Mittel bei, um die Zeitschrift wiederzubeleben, und wurde Mitherausgeber.

    Eine Zeitlang — bis 1878 — ging alles gut.

    Kommentar — 28. Mai 2014 @ 11:23

  25. Jule

    Johannes 21 – warum streift Petrus erst mal sein Obergewand über, bevor er ins Wasser springt?

    1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern wiederum am See von Tiberias . Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern.
    3 Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe fischen! Sie sprechen zu ihm: So kommen wir auch mit dir. Da gingen sie hinaus und stiegen sogleich in das Schiff; und in jener Nacht fingen sie nichts .
    4 Als es aber schon Morgen geworden war, stand Jesus am Ufer; doch wussten die Jünger nicht, dass es Jesus war. 5 Da spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein! 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Schiffes aus, so werdet ihr finden! Da warfen sie es aus und konnten es nicht mehr einziehen wegen der Menge der Fische.
    7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Simon Petrus: Es ist der Herr ! Als nun Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er das Obergewand um sich, denn er war nur im Untergewand , und warf sich in den See.
    8 Die anderen Jünger aber kamen mit dem Schiff (denn sie waren nicht fern vom Land, sondern etwa 200 Ellen weit) und zogen das Netz mit den Fischen nach. 9 Wie sie nun ans Land gestiegen waren, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und einen Fisch darauf liegen und Brot. 10 Jesus spricht zu ihnen: Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz auf das Land, voll großer Fische, 153; und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

    12 Jesus spricht zu ihnen: Kommt zum Frühstück! Aber keiner der Jünger wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten , dass es der Herr war. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und ebenso den Fisch. 14 Das war schon das dritte Mal, dass sich Jesus seinen Jüngern offenbarte, nachdem er aus den Toten auferweckt war.

    15 Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe! Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Wiederum spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe! 17 Und das dritte Mal fragt er ihn: Simon, Sohn des Jonas, hast du mich lieb? Da wurde Petrus traurig , dass er ihn das dritte Mal fragte: Hast du mich lieb?, und er sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge; du weißt , dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!

    18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst , wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst. 19 Dies aber sagte er, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Und nachdem er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
    20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist“s, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was ist aber mit diesem? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Daher kam nun dieses Wort auf unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht! Und doch hat Jesus nicht zu ihm gesagt, er sterbe nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? 24 Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

    25 Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eines nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären. Amen.

    Jesus erscheint seinen Jüngern ein weiteres Mal und wieder erkennen sie ihn nicht auf Anhieb. Aber dies kann auch daran liegen, dass sie weit vom Ufer entfernt sind und ihn daher überhaupt nicht erkennen können.

    Aber warum folgen sie dann seiner Anweisung sofort, wenn sie nicht wissen, dass ER es ist, der sie gibt?

    Und warum streift Petrus erst mal sein Obergewand über, bevor er ins Wasser springt?

    Wäre es nicht sinnvoller, dies im Boot zu lassen und nur mit dem Unterkleid zu schwimmen? Dann könnte er am Ufer das nasse gegen sein trockenes Obergewand wechseln, wenn die anderen mit dem Boot nachkommen.

    Oder ist es heiß genug, dass es eh schnell trocknen würde?

    Oder bedeutet das „er sprang ins Wasser“ nicht das, was wir uns darunter vorstellen, wenn heute jemand im Schwimmbad ins Wasser springt? Vielleicht sind sie doch näher am Ufer, als wir denken und er ist nur mit den Waden im Wasser und das Gewand wird überhaupt nicht wirklich nass…

    Kommentar — 30. Mai 2014 @ 11:08

  26. Jule

    Johannes 21:15-18
    Welche sind „diese“, von denen Jesus hier spricht?

    In der Schlachter 2000, die wir seit Anfang letzten Jahres lesen, steht hier lediglich ‚diese‚ und es scheint mehrere Deutungen zu geben, worum es sich dabei handelt.

    Als Zeugen Jehovas haben wir gelernt, dass es nicht um die anderen anwesenden Jünger geht, sondern um die Fische und um die Arbeit als Fischer. Jesus will von Petrus wissen, wie wichtig ihm seine Arbeit als Fischer ist und sagt ihm, er solle diese aufgeben, um Jesu Schafe zu weiden. Soweit das Verständnis der ZJ zu dieser Passage.

    Neben dem Lesen in der Schlachter höre ich mir abends vor dem Einschlafen das jeweilige Bibelkapitel an, mit dem ich mich gerade beschäftige und wie ihr gesehen habt, ist dies die Neue Genfer Übersetzung (ihr findet die Hördateien immer jeweils am Anfang des Kapitels im Bibelblog). Hier wird es anders formuliert, denn gemäß dieser Übersetzung fragt Jesus Petrus: „liebst du mich mehr als irgendein anderer hier?“. Dies ist also ein komplett anderer Sinn.

    Warum dieser Widerspruch? Kann denn beides richtig sein? Was sagen die anderen Übersetzungen dazu?

    Die Hoffnung für Alle, die Luther, und die Albrecht, die Neues Leben, sowie die Neue Bibel Heute, die Gute Nachricht und die neue evangelistische Übersetzung sehen die Frage ebenso wie die Neue Genfer.

    Die Elberfelder übersetzt es ebenso wie die Neue Welt Übersetzung mit neutralem „diese“. Aber das ist nicht sonderlich überraschend, da Zeugen Jehovas diese Übersetzung viele Jahre genutzt hatten, bevor sie sich selbst an eine Übersetzung gemacht haben ;-). Aber diese beiden sind nicht die Einzigen, denn die Einheitsübersetzung, die die katholische Kirche nutzt, schreibt ebenfalls nur „diese“.

    Zahlenmäßig sind diejenigen in der Überzahl, die meinen, dass Jesus wissen wollte, ob Petrus ihn mehr liebe, als es diie anderen Jünger tun. Aber dies muss nicht unbedingt richtig sein. Vielleicht haben sich die Elberfelder und die Einheitsübersetzung neutral ausgedrückt, weil es mehrere Deutungen geben kann und sie sich nicht festlegen wollten. Wobei das Übersetzerteam der ZJ sich ja ebenfalls neutral ausgedrückt haben.

    Was sagen denn einige neutrale Kommentatoren wie Darby usw dazu?

    Kommentar — 1. Juni 2014 @ 19:46

  27. Jule

    Jetzt wird es echt interessant, denn gerade noch hatte ich mich gefragt, ob es wirklich wichtig ist, ob Jesus mit „diese“ meinte, dass er ihn mehr als die anderen Jünger oder mehr als seinen Job als Fischer liebe – denn das Ergebnis bleibt ja dasselbe: Jesus beauftragt ihn, sich um die Gemeinde zu kümmern.

    Hierzu ist es sehr interessant, was J.N. Darby zu dieser Frage schreibt. Denn er stellt einen Bezug zu dem her, wo Petrus versagt hatte, nachdem er sich mit seiner Liebe hervortun wollte. Hierzu müssen wir noch einige Tage die Zeit zurückdrehen und uns ins Obergemach zurück versetzen, als Jesus das Abendmahl eingeführt hatte und mit seinen Jüngern über das spricht, was nun auf ihn zukommt. In Johannes 13:37 sagt Petrus voller Eifer, er sei bereit, sogar für Ihn (Jesus) zu sterben. Etwas später geht er sogar – als Einziger – auf die Soldaten los, die Jesus festnehmen wollen und haut einem von ihnen sogar ein Ohr ab. Gemäß Darby ruft alles, was Petrus sagt und tut, laut „ich liebe den Herr so sehr, noch viel mehr als die anderen!“

    Vor diesem Hintergrund macht es natürlich absolut Sinn, anzunehmen, dass Jesus ihn hier genau darauf anspricht und ihm dabei auch deutlich vor allen anderen zu verstehen gibt, dass er ihm deshalb nicht mehr böse ist: er gibt ihm einen ganz besonderen Auftrag.

    Ein sehr interessanter Aspekt.

    Kommentar — 1. Juni 2014 @ 20:06

  28. Jule

    Was mir auch gerade ins Auge gefallen ist, ist die Tatsache, wieviel Platz Johannes besonders den letzten Tagen Jesu einräumt:

    Das ganze Evangelium besteht aus 21 kapiteln und bereits Kapitel 13 behandelt das letzte Passah und das Abendmahl, das Jesus einführt. Dann kommen mehrere Kapitel, in denen Jesus seinen Jüngern noch all das mit auf den Weg gibt, was ihm sehr wichtig ist. Mit Kapitel 13 sind das 5 von 21!

    Kapitel 18 und 19 drehen sich um den unfairen Prozess, der Jesus gemacht wird, bis hin zur Verurteilung und Vollstreckung der Todesstrafe.

    In Kapitel 20 lesen wir begeistert von der Auferstehung Jesu und wie er nach und nach den Jüngern erscheint, um sie zu ermutigen. (auch Kapitel 21).

    Wir sehen, dass im Johannesevangelium der Anteil der Belehrung und der Ermunterung der Jünger verhältnismäßig groß ist.

    Das bringt mich zu dem, was ein im Glauben noch recht junger Bruder letzte Woche zu Thom gesagt hatte: er war der Ansicht, dass das Bild, das die Offenbarung von Jesus malt, ein anderes ist, als was er sonst in den Evangelien und Briefen liest. Hier ist er ein liebevoller und gütiger Mensch und in der Offenbarung hingegen – seiner Ansicht nach – hart und brutal. Thom’s Antwort darauf war, dass man dabei berücksichtigen muss, dass beides zusammen gehört: das Johannesevangelium und die Offenbarung, die dieser von Gott erhielt und aufschrieb.

    Weiss man eigentlich, welches Buch zuerst aufgezeichnet wurde?

    Das ist jetzt echt interessant, denn die Offenbarung wurde 96 u.Z. aufgeschrieben und das Evangelium erst 98 u.Z – also ganze 2 Jahre später!

    Wir sehen also, dass sich das Bild, das Johannes selbst von Jesus Christus hatte – nicht negativ verändert hatte, nachdem er die Offenbarung erhalten hatte. Vielleicht sogar eher im Gegenteil?

    Wie kommt es, dass dieser Schreiber die tiefe Liebe Jesu und seines Vaters Jehova so sehr hervorhebt, viel mehr als die anderen? Hatte er vielleicht Bedenken, dass die Offenbarung bei vielen ebenso ein negatives Gefühl hinterlasst? Wollte er die Jünger und damit auch uns heute ermuntern und uns zeigen, dass der Jesus der Offenbarung dennoch voller Liebe ist, auch wenn sich vieles, was wir dort lesen, schrecklich anhört?

    Er schreibt zum Schluß seines Evangeliums, dass er sich in seinen Aufzeichnungen nur auf das absolut Wichtigste konzentriert hat. Man könne unmöglich alles in Bücher fassen, weil es so viel und tief war, was er getan, gesagt und gelehrt hatte.

    Johannes war derjenige, der Jesus am nächsten stand und das Bild, dass dieser von IHM hier malt, ist einfach wunderbar,

    Vielleicht sollten wir dieses im Sinn behalten, wenn wir die Offenbarung lesen!

    weitere Gedanken zu Johannes 21 finden wir hier

    Kommentar — 1. Juni 2014 @ 20:32

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