
{"id":3268,"date":"2013-03-28T10:25:19","date_gmt":"2013-03-28T09:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/bibellesen.jule-pape.de\/?p=3268"},"modified":"2013-03-28T10:25:19","modified_gmt":"2013-03-28T09:25:19","slug":"dem-kreuz-ins-leben-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bibellesen.jule-pape.de\/?p=3268","title":{"rendered":"Dem Kreuz ins Leben folgen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.die-kirche.de\/uploads\/RTEmagicC_start_unten_30.jpg.jpg\" width=\"80\" height=\"116\" \/><\/p>\n<p>Mir ist von der letztj\u00e4hrigen Karfreitagsprozession vor allem eine Szene im Ged\u00e4chtnis geblieben: Zwei M\u00e4nner, Anfang 20, Berlin-Besucher, sa\u00dfen in der W\u00e4rme der ersten Fr\u00fchlingssonne auf einer Bank unweit der St. Marienkirche, als unsere Prozession vorbeizog. Sie schauten und staunten. Dann sagte einer zum anderen: \u201eWie lange hing der eigentlich am Kreuz, dieser Jesus?\u201c<\/p>\n<p>Es sind diese kleinen Begegnungen, die ber\u00fchren und bewegen. Passanten oder G\u00e4ste in den Stra\u00dfencaf\u00e9s werden durch die Prozession daran erinnert, dass der freie Tag heute Karfreitag ist. Menschen, die sonst nichts mit Kirche zu tun haben, die sich kaum \u00fcberlegen, ob und woran sie glauben, werden pl\u00f6tzlich mit den gro\u00dfen Fragen unseres Seins konfrontiert. Etliche gehen eine oder zwei Stationen einfach mit. Sie folgen dem gro\u00dfen gr\u00fcnen Kreuz, das von schwarz gekleideten, schweigenden Menschen getragen wird. Ein gro\u00dfes Kreuz, mitten in der Stadt, mitten im Leben. Immer wieder und immer noch haben Bilder wie dieses eine Faszination auf uns. Erzeugt werden diese eindr\u00fccklichen Bilder durch liturgische Handlungen. Sie bringen uns dazu, nachzudenken: worauf vertraue ich im Leben und im Sterben? Ist mit dem Leid, ist mit dem Tod alles aus?<\/p>\n<h3>Tod und Auferstehung<\/h3>\n<p>Am Karfreitag zeigen wir \u00f6ffentlich, dass wir als Christinnen und Christen dem Kreuz folgen und Gedanken wie diese in uns bewegen. Die gro\u00dfe Kreuz-Prozession in Berlin Mitte findet nun schon zum vierten Mal statt. Wir ziehen vom Berliner Dom aus zu insgesamt sieben Innenstadtkirchen. Die Karfreitagsprozession ist\u00a0 Teil des sogenannten Triduums, der drei besonderen Tage vom Gr\u00fcndonnerstag bis zur Osternacht. Dabei vollziehen wir symbolisch den Weg \u00fcber das Gedenken von Tod und Sterben bis zur Auferstehung nach.<\/p>\n<p>Auf den sieben Stationen h\u00f6ren wir Teile der Passionsgeschichte. Au\u00dferdem erinnern wir an all diejenigen Berlinerinnen und Berliner, die durch das nationalsozialistische Regime ihrer kulturellen Vielfalt beraubt wurden. Denn die Karfreitagsprozession geh\u00f6rt in diesem Jahr zum Themenjahr \u201eZerst\u00f6rte Vielfalt\u201c, das von der Stadt ausgerufen wurde.<\/p>\n<h3>W\u00e4hrend der gesamten Karfreitagsprozession schweigen wir<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend der gesamten Karfreitagsprozession schweigen wir. Nur so k\u00f6nnen wir den Schmerz aushalten. Den Schmerz dar\u00fcber, dass auch durch die Schuld von Vertretern der Evangelischen Kirche und ihre Unf\u00e4higkeit, Widerstand zu leisten, Menschen ermordet wurden oder leiden mussten. Wir k\u00f6nnen uns daf\u00fcr nicht entschuldigen. Im Bewusstsein unserer Schuld k\u00f6nnen wir nur eines: voller Scham und Trauer schweigen.<\/p>\n<p>Wir versuchen, aus der Erinnerung zu lernen und den Mut zu haben, heute dem Unrecht zu widerstehen und uns aktiv f\u00fcr Toleranz einzusetzen. Denn als die, die an Christus glauben, wissen wir, dass der Tod und alles Leid immer nur das Vorletzte ist. Denn was uns droht, ist nicht der Tod, sondern die Auferstehung.<\/p>\n<p>Und noch ein Aspekt: Die Karfreitagsprozession ist in Berlin inzwischen ein fester Bestandteil des geistlichen Lebens. Sie macht \u00f6ffentlich deutlich, wof\u00fcr sich die Evangelische Kirche offensiv einsetzt und welche Relevanz der Glaube f\u00fcr den oder die Einzelne hat. Mission bedeutet heute, sichtbar zu sein.<\/p>\n<h3>Die Last gemeinsam tragen<\/h3>\n<p>Wir sind sichtbar: Im letzten Jahr gingen mehr als 1000 M\u00e4nner, Frauen und Kinder zusammen mit Glaubensgeschwistern aus der \u00d6kumene und den Johanniter-Ordensrittern mit. Viele wollten das 80 Kilogramm schwere Kreuz gemeinsam mit anderen tragen. In meinen Augen verdeutlicht das, wie hoch die Bedeutung der Feier des Karfreitags in dieser Form geworden ist.<\/p>\n<p>Als Christinnen und Christen wissen wir, dass nach Karfreitag Ostern wird. Damit verwandelt sich das schwere Kreuz: Aus Leid, Hoffnungslosigkeit\u00a0 und Schuldbewusstsein wird Licht \u2013 wird Auferstehung. Das Leben siegt \u00fcber alle Todesstrukturen, die an uns haften. Denn wir glauben: Christus ist auferstanden.<\/p>\n<p><i>Bertold H\u00f6cker<br \/>\nist Superintendent des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir ist von der letztj\u00e4hrigen Karfreitagsprozession vor allem eine Szene im Ged\u00e4chtnis geblieben: Zwei M\u00e4nner, Anfang 20, Berlin-Besucher, sa\u00dfen in der W\u00e4rme der ersten Fr\u00fchlingssonne auf einer Bank unweit der St. Marienkirche, als unsere Prozession vorbeizog. Sie schauten und staunten. 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